27.08.2024: Die Paulskirche in Hermannstein wurde vermutlich 1491 erbaut, denn diese Zahl ist im Torbogen der Turmtüre eingemeisselt. Vieles deutet darauf hin, dass der hessische Marschall Johann Schenck zu Schweinsberg der Stifter dieser Kirche sein könnte. Urkunden, die dies bestätigen könnten, fehlen jedoch leider. Äusserlich hat sich die Kirche in ihrer 500-jährigen Geschichte nur wenig verändert. Ursprünglich trug der Turm ein achteckiges Dach. Als dieses einzustürzen drohte, wurde es 1975 durch ein viereckiges Dach ersetzt. 1730 wurde das Treppenhaus auf der Nordseite angebaut. Aus der Erbauungszeit der Kirche stammt das Sandsteinrelief über der früheren Südpforte, das die Geburt Christi darstellt. Es trägt die Jahreszahl 1492. Dieses wertvolle Kunstwerk wurde 1977 über dem Taufstein angebracht – an der ursprünglichen Stelle befindet sich heute ein Abguss. Auch das Kruzifix im Chorbogen der Kirche und der spätgotische Taufstein mit seiner achteckigen Pokalform stammen aus der Anfangszeit der Kirche. Im Dreissigjährigen Krieg hat die Kirche stark gelitten, so dass sie 1687 eine neue Inneneinrichtung erhielt. Ihre erste Orgel erhielt die Kirche 1837 als Geschenk der Zivilgemeinde. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts liessen die Freiherren Schenck zu Schweinsberg im Chor ein Totengewölbe erbauen. Dort finden sich mehrere Grabsteine von Angehörigen der Familie Schenck – der älteste trägt die Jahreszahl 1570:
27.08.2024: Die Hospitalkirche wurde 1762–1764 im Rokoko-Stil erbaut und gilt als seltenes und qualitativ hochwertiges Beispiel dieses Baustils unter den lutherischen Predigtkirchen. Der fünfachsige Saalbau mit Fünfachtelschluss und westlichem Haubendachreiter ist hessisches Kulturdenkmal mit reicher Innenausstattung. Das Hospital zum Heiligen Geist wird 1262 erstmals urkundlich erwähnt. Als Stiftung der Bürgerschaft gewährte es Armen Asyl und durchreisenden Pilgern Herberge. Später diente es als Altersheim:
27.08.2024: Die Alte Lahnbrücke wurde in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und erstmals 1288 erwähnt. Sie war Teil des mittelalterlichen Handelsweges von Frankfurt nach Köln. Um ihre Standfestigkeit zu erhöhen, verstärkte man die im Flussbett gelegenen Pfeiler durch Eisbrecher. Auf beiden Seiten der siebenbogigen Brücke befanden sich Tortürme, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurden:
27.08.2024: 1782 wurde hier der Grundstein zu einem Archivgebäude für das Reichskammergericht gelegt. Das Bauwerk war bei Auflösung des Gerichts 1806 noch unvollendet. 1852 wurde das Kreisgericht, später das Amtsgericht, in das inzwischen fertiggestellte Gebäude verlegt. Von 1911 bis 1996 war das Gebäude Rathaus der Stadt Wetzlar. Heute sind hier das Standesamt, die Patenschaft für das Ostdeutsche Lied und das Historische Archiv der Stadt Wetzlar untergebracht:
27.08.2024: Das viergeschossige Fachwerkhaus aus dem Jahre 1897 erhebt sich auf einem sehr kleinen Grundstück am unteren Ende der Domtreppe über einem Erdgeschoss aus Werkstein. Der turmartige Bau ist mit einem dichten Gefüge aus Zierfachwerk versehen. Besonders prägend für das Gebäude ist der zweigeschossige, flache Erker zur Hauser Gasse und der im hinteren Teil des Hauses angeordnete, das Gebäude hoch überragende Treppenturm mit seinem Belvedere unter einer geschwungenen Welschen Haube. Das sehr hohe, auffällige Gebäude markiert nicht nur den Aufgang zum Dom, sondern dominiert optisch den gesamten unteren Bereich der Hauser Gasse:
27.08.2024: Bis zum Jahre 1779 stand hier das städtische Kaufhaus. Nachdem 1693 das Reichskammergericht das Rathaus am Fischmarkt bezogen hatte, musste der Rat der Stadt in das alte Kaufhaus ausweichen. Der Zustand des mittelalterlichen Gebäudes war jedoch derart schlecht, dass 1725 der hintere Teil des Hauses ohne äussere Einwirkung einstürzte. Im Jahre 1729 wurde dieser Teil des Hauses wieder aufgebaut und bildet bis heute den rückwärtigen Teil des Hauses. Der vordere Teil des alten Kaufhauses fiel 1779 einem Brand zum Opfer und wurde 1790 durch den heutigen Bau ersetzt. Das hallenartige Erdgeschoss ist massiv gemauert, die Obergeschosse sind in Fachwerk errichtet. Das Gebäude wurde noch bis 1911 als Rathaus der Stadt genutzt:
27.08.2024: Seit 1565 ist an dieser Stelle bereits eine Residenz der Herren von Bicken nachgewiesen. Sie wurde als Schule für die Wetzlarer Kinder genutzt. Das Palais entstand zwischen 1715 und 1718 für Franz Adolf von Ingelheim, der Richter am Reichskammergericht war. Es handelte sich um einen Dreiflügelbau, der vollständig als Fachwerkbau ausgeführt war. Das Gebäude war nicht nur Wohn- und Herrenhaus, sondern auch Mittelpunkt des geistigen Lebens in Wetzlar. Nach dem Tod des Besitzers 1742 wurde es zum Standort des Reichskammergerichts umgebaut, dessen Sitz es von 1782 bis 1806 blieb. Nach der Auflösung des Reichskammergerichts wurde das Gebäude 1818 an den preussischen Staat verkauft und bis 1877 als Kaserne genutzt. Am 25. März 1879 kaufte die damalige Reichs-, Post- und Telegraphenverwaltung des Königlich Preussischen Militärfiskus das damals 160 Jahre altes Haus, um die Post- und Telegraphendienststellen der Stadt besser unterbringen zu können. 1884 wurde auf den Grundmauern des Vorgängerbaus das neue Postamt errichtet, diesmal im Stil der Neorenaissance mit vielen Verzierungen und üppigem Dekor. Im Zuge eines Umbaus und umfassender Sanierung im Jahr 1928 wurde das Gebäude wieder als Dreiflügelanlage umgebaut, diesmal nur mit kurzen Seitenflügeln, die wie Eckhäuser leicht vorspringen. Der schmale Hof wurde dabei durch einen eingeschossigen Vorbau fast komplett verschlossen:
27.08.2024: Schon im 18. Jahrhundert haben die hessischen Truppen eine Besatzung in Wetzlar unterhalten, die ein Wachhaus am Domplatz errichtete. Seit 1806 ist ein Wachhaus am südwestlichen Domturm nachgewiesen, das um 1860 abgerissen wurde. Die Preussische Standortverwaltung errichtete daraufhin die heutige Hauptwache für das in Wetzlar stationierte 8. Rheinische Jägerbataillon. Nach der Verlegung der rheinischen Jäger im Jahre 1877 diente das Gebäude als Polizeiwache. Diese Funktion behielt es bis 1972 bei. Heute befindet sich darin ein Restaurant:
27.08.2024: Als Teile des Friedhofes südlich des Domes dem gotischen Erweiterungsbau zum Opfer fielen, errichtete man die dem Erzengel Michael geweihte Kapelle als Ossarium (Beinhaus). Hierhin wurden die Gebeine aus jenen Gräbern, die auf dem engen Kirchhof für neue Bestattungen Platz machen mussten, umgebettet. Das Bauwerk war eine Doppelkapelle mit Beinhaus unten und Laurentiuskapelle darüber. Das Gebäude diente später u. a. als Lagerraum für Reichskammergerichtsakten, seit 1854 wieder als Kapelle. Die Tür soll aus der Erbauungszeit stammen, die steinerne Kreuzigungsgruppe an der Westfassade wurde 1509 hier angebracht:
27.08.2024: Der Dom, die ehemalige Stifts- und Pfarrkirche Unserer Lieben Frau, blieb unvollendet. Auf dem Domhügel stand auf zwei älteren Vorgängerbauten ein romanischer Kirchenbau vom Ende des 12. Jahrhunderts. Um 1230 begann der Neubau einer gotischen Kirche mit der Errichtung des neuen Chores. Mehrfach wurden die Baupläne geändert, was noch heute an den unterschiedlichen Baustilen von Früh- bis Spätgotik erkennbar ist. Nachdem der prächtige Südturm und die Westfassade teilweise fertiggestellt waren, wurden die Bauarbeiten im 15. Jahrhundert aus Geldmangel eingestellt. Nur ein Teil des geplanten reichen Skulpturenschmuckes ist vorhanden. Das romanische Westwerk und der Nordturm, Heidenturm genannt, wurden nicht abgebrochen, sondern Bestandteil des Kirchenbauwerkes. Der Zutritt zur Kirche erfolgt durch das frühgotische Südportal. Im Kircheninneren ist von der ursprünglichen Ausstattung nur wenig erhalten, darunter der romanische Taufstein der Vorgängerkirche, eine überlebensgrosse Pietá vom Ende des 14. Jahrhunderts, zwei Darstellungen der Muttergottes auf der Mondsichel und weitere spätmittelalterliche Figuren. Die Reichskammergerichtszeit hat einige Ausstattungsdetails wie die Kanzel und barocke Grabplatten hinterlassen. Seit der Reformation bis heute wird das Gotteshaus von beiden christlichen Konfessionen simultan genutzt: