08.08.2025: Die Wollhalle gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu jenen historischen Fassaden, die zwar das Stadtbild prägten, aber der Öffentlichkeit war das Gebäude nicht zugänglich. Einzig in der unteren Etage befand sich die Theaterwerkstatt. Erbaut als herzoglicher Pferdestall erwarben im Jahre 1817 die Güstrower Stadtväter das Gebäude zur Einlagerung der im Land produzierten Wolle. Die Wollhalle war aber nicht nur Lagerplatz, sondern auch aufgrund ihrer zentralen Lage zur Nebel Handelsort. Am 2. Juli 1818 fand in der Wollhalle der erste Wollmarkt statt, der in der Folgezeit alljährlich abgehalten wurde. Schon 1820 erwies sich die Wollhalle für die aus 156 Schäfereien angelieferte Wolle als zu klein und so beschloss 1823 die Stadtkämmerei das Gebäude nicht nur zu sanieren, sondern auch um 2 Etagen aufzustocken. In einem Anbau wurde die Waage, eine Aufzugswinde, eine Treppe sowie ein Büro untergebracht. Das Gebäude erhielt sein heutiges Aussehen. 1993 unternahm die Stadt erste Versuche, in der Wollhalle Ausstellungen zu organisieren. 1999 wurde das Gebäude vollständig saniert, wobei die historische Raumaufteilung erhalten blieb. Mit ein wenig Phantasie kann man sogar noch den ehemaligen Pferdestall erahnen und durch den Erhalt der originalen Aufzugswinde ist auch noch die Nutzung als Wollhalle erkennbar. Es entstanden moderne Galerieräume im historischen Ambiente:
08.08.2025: Das Güstrower Theater wurde 1828, exakt 600 Jahre nach Stadtgründung, im klassizistischen Stil erbaut. Den Namen des bekannten Bildhauers und Schriftstellers Ernst Barlach trägt das Theater seit 1957. Es ist heute ein Theater ohne eigenes Ensemble. Auf dem Spielplan stehen Theaterstücke, Konzerte, Kabarettabende und Shows. Theaterzettel von 1741 bis zur Gegenwart beherbergt das nahe gelegene Stadtmuseum. Im Theater finden 365 Besucher Platz:
08.08.2025: Schloss Güstrow liegt in malerischer Lage am Südrand der gleichnamigen Altstadt. Der eindrucksvolle Schlossbau ist nur ein Bruchteil der majestätischen Anlage, die hier einst stand. Ursprünglich war der Gebäudekomplex mehr als doppelt so gross und besass mehrere Schlossflügel. Im 16. und 17. Jahrhundert zählte Schloss Güstrow zu den wichtigsten Residenzen der Herzöge von Mecklenburg und gehört zu den bedeutendsten Renaissancebauwerken Norddeutschlands. Die Bausubstanz ist weitestgehend original und wurde im Zuge der Umbaumassnahmen des 19. Jahrhundert nur geringfügig verfälscht. Heute beherbergt Schloss Güstrow ein Museum. Der Ursprung des Prachtbaus geht auf eine slawische Burg zurück, die mit der Stadtmauer verbunden war und den Ort nach Süden hin schützte. Mit der Entstehung des prächtigen Schlossgartens wurde der Wassergraben der Stadt verlegt. Dieser hat sich vor allem in der Umgebung des Schlosses deutlich erhalten. Der Zugang zum Schloss erfolgt über das 1671 entstandene Ensemble aus Schlossbrücke und Torhaus. Noch deutlich lässt sich im Gelände die Grabensituation erkennen, die das Schloss ursprünglich zum Teil von der Umgebung und der Stadt trennte. Hinter der Durchfahrt durch den Westflügel eröffnet sich der Blick auf einen einst grossen Schlosshof. Recht schnell ist erkennbar, dass dem strukturierten Renaissancebau die komplette Osthälftefehlt. Im 16. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Burg immer wieder durch das heutige Schloss Güstrow ersetzt. So entstand 1557 der heute noch erhaltene Südflügel und 1591 der Nordflügel. Der prächtige Ostflügel von 1594 wurde wegen Baufälligkeit schon 1795 abgebrochen, sodass heute eine offene Hofsituation entsteht. Die eindrucksvollen Fassaden des Schlosses spiegeln unter anderem französischen und italienischen Renaissancestil mit antiken Elementen wider. Sie erinnern in vielen Punkten an andere prächtige Schlösser wie Meissen, Torgau und Schloss Heidelberg. Sehenswert ist vor allem die Ostseite des heute noch erhaltenen Südflügels. Durch den verschwundenen Anbau wirkt sie wie der Schnitt durch ein Gebäude und gibt einzigartige Einblicke in das Mauerwerk eines Renaissancebaus preis (wegen umfangreicher Baumassnahmen hier nur die Gartenansicht des Schlosses):
08.08.2025: Die Heilig-Geist-Kirche wird als Hospitalstiftung erstmalig 1308 erwähnt. Das zweigeschossige Gebäude ist im Stil der gotischen Backsteinarchitektur als erstes städtisches Krankenhaus und Pflegeheim ehemals am Stadtrand von Güstrow erbaut. Ab 1524 ist die Nutzung des Hauses als Kirche, u. a. auch für den Herzog, bekannt. Erwähnenswert sind die barocke Bohlendielendecke mit illusionistischer Kassettierung sowie Reste eines gotischen Wandfrieses, Fragmente einer Kreuzigungsdarstellung im Altarraum und eine symbolische Heilig-Grabanlage aus dem 15. Jahrhundert mit verschliessbarer Schranknische sowie einer kleinen Fensteröffnung. Die umfangreiche Originalsubstanz macht den Hospital- und Kapellenbau zu einem bedeutenden mittelalterlichen Baudenkmal in Mecklenburg. Seit Dezember 2007 beherbergt die Heilig-Geist-Kirche das Norddeutsche Krippenmuseum:
08.08.2025: Der Derzsche Hof aus der Renaissance ist das älteste Profangebäude im Zentrum der Altstadt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Das zweigeschossige Dielenhaus wurde 1539 in der Zeit der Hochrenaissance gebaut. Der reich verzierte Backsteingiebel hat viele Fialen und ein grosses Portal. Im Inneren gibt es bemalte Holzdecken vom Ende des 16. Jahrhunderts. Der Erbauer ist nicht bekannt. Die Forschung vermutet, dass das Gebäude als Stadtsitz des Klosters Doberan genutzt wurde und auf dem Grundstück weitere Lagergebäude standen. Um 1600 wohnte hier Protasius Marstaller, Gelehrter am Hofe von Herzog Ulrich. Es erfolgten erste Umbauten sowie die Bemalung der Holzbalkendecke mit Portraitmedaillons von Wissenschaftlern aus dem 15. Jahrhundert. Verschiedene bürgerliche und adlige Familien wohnten hier im 18. Jahrhundert. Bei Umbauten von um 1750 entstanden die erhaltene, reich geschnitzte Haustür, eine schöne Innentür und die Stuckdecken in den strassenseitigen Erdgeschossräumen. Die Decke zum Galeriegeschoss wird durch eine barocke Fachwerkwand getragen. Das Gebäude wurde nun auch als das Hansen-Haus bezeichnet. Gründerzeitliche Erweiterungen erfolgten Mitte des 19. Jahrhunderts. Genutzt wurde das Haus bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Brauerei. Benannt wurde das Haus nach dem letzten Brauereibesitzer Paul Derz sowie auch als Altes Brauhaus. Weitere Umbauten fanden 1912 statt. Von 1950 bis 2011 war es im Besitz der Stadt. Zur DRR-Zeit verfiel das Haus. In den 1970er Jahren kam der Abriss der Kemlade bis auf die Aussenwand und ab den 1980er Jahren stand das Haus leer. Von der Kemlade blieben nur wenige Bauteile erhalten, die um 2016 in einen gläsernen Neubau mit einem Glasdach einbezogen wurde:
08.08.2025: Der Maler Georg Friedrich Kersting (1785-1847) wurde in Güstrow geboren und gehört neben Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge zu den bedeutendsten Malern der deutschen Romantik. Genau wie diese erhielt er seine Ausbildung an der Königlichen Kunstakademie in Kopenhagen, die zu den fortschrittlichsten ihrer Art in Europa zählte. Sein Geburtshaus befindet sich heute in Privatbesitz, seine Werke sind im Stadtmuseum zu besichtigen. Georg Friedrich Kersting wuchs in Güstrow als Sohn eines Glasermeisters in bescheidenen Verhältnissen auf. Davon zeugt auch sein Geburtshaus in der Hollstrasse 6, ein schlichtes Wohndielenhaus in Fachwerkbauweise, dessen älteste Bauphase bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück reicht. Im Zeitraum von 1982 bis 1985 wurde das bauhistorisch wertvolle Gebäude durch den VEB Denkmalpflege Schwerin, Restaurierungswerkstatt Güstrow, umfassend saniert. Zum 200. Geburtstag des Künstlers im Jahr 1985 erfolgte die Eröffnung des Hauses als museale Erinnerungsstätte an diesen bedeutenden Maler der deutschen Romantik. 1994 wurde das Museum geschlossen. Das Geburtshaus Georg Friedrich Kerstings befindet sich heute in Privatbesitz. Eine ständige qualitätvolle Sammlung Kerstingscher Gemälde und Zeichnungen befindet sich im Stadtmuseum Güstrow:
08.08.2025: Wie alle anderen Bauten auf dem Platz ist das Güstrower Rathaus erst nach den grossen Stadtbränden zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden. Noch um 1700 bestand das Rathaus aus fünf verschiedenen, nebeneinander angeordneten Giebelhäusern, von denen eines mit einem Turm versehen war. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Rathaus mehrfach umgebaut. In jener Zeit entstand der Audienzsaal, heute Stadtvertretersaal, mit einer figürlichen Stuckdecke von Johann Metz und dem Motiv Gerechtigkeit und Frieden (1754). Nach Entwürfen des Güstrower Baumeisters David Anton Kufahl fand 1798 die Neugestaltung der Fassade statt, welche die fünf Giebelhäuser zu einem Baukörper verband. Dass Rathaus und Kirche mitten auf dem Marktplatz ihren Platz erhielten, ist im mecklenburgischen Raum ungewöhnlich und so nur noch in Güstrow anzutreffen. Von 2001-2002 wurde das Rathaus umfassend restauriert. Die Gestaltung der Fassade erfolgte dabei nach dem historischen Vorbild:
08.08.2025: Vom Domkapitel für die geistigen Bedürfnisse der Bürger der Stadt Güstrow gestiftet, wird die Pfarrkirche St. Marien auf dem Markt 1308 das erste Mal urkundlich erwähnt. Anfang des 16. Jahrhundert wurde sie dreimal durch Stadtbrände zerstört bzw. stark in Mitleidenschaft gezogen, aber immer wieder zusammen mit den Häusern der Stadt aufgebaut. Seit 1533 wurde in der Marienkirche lutherisch gepredigt. 1780 bekam sie den barocken Turmhelm, 1880-1883 wurde sie durch Hofbaurat Daniel grundlegend umgebaut und erhielt die heutige Gestalt als dreischiffige Hallenkirche. Die Bürger Güstrows statteten ihre Kirche im Laufe der Jahrhunderte grosszügig aus. Zu sehen sind eine Pietà (Anfang 1500), eine fünfteilige Triumphkreuzgruppe (1516), der prächtige Wandelaltar (1522) mit dreizehn Schnitzreliefs von Jan Bormann und sechs Tafelgemälden von Bernaert von Orley sowie das Ratsgestühl von 1599 mit Eichenintarsien. Zahlreiche Wandleuchter und zwei flämische Kronen wurden von Handwerkern und Bürgern gestiftet. An den Wänden befinden sich verschiedene Epitaphien, die an Bürgermeister und Bürger der Stadt erinnern. Die Orgel samt Orgelempore wurde 1764 durch den Rostocker Orgelbaumeister Paul Schmidt im barocken Stil in die Kirche hineingebaut:
08.08.2025: Das repräsentative, im Stil des Historismus erbaute Gebäude an der traditionellen Haupteinkaufs-Strasse Pferdemarkt wurde 1896 fertiggestellt. Zuvor war die Post in der Domstrasse 6 untergebracht. Dieses Gebäude genügte aber nicht mehr den Ansprüchen des Deutschen Reiches an ein zentrales Gebäude für Post und Telegrafie. Dazu kam damals auch noch das lokale Telefonnetz. Nachdem die Stadt einen Zuschuss von 34.000 Reichsmarkt bewilligt hatte begann der Bau. Im Erdgeschoss waren die Diensträume für den Postbetrieb untergebracht. Das Obergeschoss wurde für den Telegafen- und Telefondienst genutzt, letzterer wurde damals ja noch handvermittelt. Ausserdem befand sich dort die Dienstwohnung des Postamtsvorstehers. Auf den frühen Aufnahmen des Gebäudes lassen sich in den Turmfenstern noch deutlich die Isolatoren der Telegrafen- und Telefonleitungen ausmachen, die von hier aus bis 1929 über die Dächer der Stadt verliefen. In den DDR-Jahren war der schwarze Reichsadler des Kaiserreichs auf goldenem Grund über der Erker am Turm übermalt. 1956 erfolgte eine erste Sanierung des Turms. Als sich 1984 Schieferplatten der Eindeckung lösten, wurde der Turmhelm erneut saniert. Eine grundlegende Rekonstruktion erfolgte 1995. Heute ist das Gebäude in Privateigentum und wird nicht mehr für Postzwecke genutzt:
08.08.2025: Der Gebäudekomplex des Finanzamtes in Güstrowmit der Adresse Klosterhof 1 wurde 1860 für die Grossherzogliche Kammer gebaut. In der DDR war es der Sitz des Rats des Kreises: