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Tages-Archive: 27. November 2021

27.11.2021: Der kopfsteingepflasterte Marktplatz ist heute ein beliebter Treffpunkt für Einwohner und Gäste Bad Nauheims. Restaurants, Bars und traditionelle Gasthäuser und Apfelweinwirtschaften laden sowohl am Tag als auch am späten Abend zum Verweilen ein. Hier befindet sich auch das historische Rathaus, das von 1788 bis 1903 Sitz der Gemeindeverwaltung war. Am Marktplatz beginnt die Bad Nauheimer Altstadt mit ihren engen Gassen und liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern:

27.11.2021: Das Rathausgebäude in der Parkallee 36-38 mit dem Bad Nauheimer Stadtwappen – in dem durch einen Balken von neun silbernen Salzkristallen geteilten Schild, oben in Blau ein wachsender, golden gekrönter und golden bewerter, fünfmal von Silber und Rot geteilter Löwe, unten in Schwarz ein silberner Sprudel über silbernem Becken:

27.11.2021: Das als Burgscheune bezeichnete Wirtschaftsgebäude entstand im 18. Jahrhundert, als die Adelsfamilie von Greiffenclau einen befestigten Herrensitz nordwestlich vor dem Nauheimer Ortskern zu einem Hofgut ausbaute. Im gegenwärtigen Ortsbild wird die Scheune vor allem durch eine rundbogige Tordurchfahrt markant. Sie wurde 1906 nachträglich geschaffen, um das Stadterweiterungsgebiet westlich des ehemaligen Burgareals mit dem Kerngebiet Nauheims zu verbinden. Der Schlußstein des Torbogens erhielt das Nauheimer Stadtwappen als Schmuck, südlich neben dem Torbogen auf der zum Stadtinneren gekehrten Seite ein plastischer Bauschmuck. Er zeigt Szenen bäuerlicher Arbeit im Relief und soll vermutlich an die Vergangenheit Nauheims als Dorf erinnern.

Mit der Single „A Big Hunk O‘ Love“ gewann Elvis Presley 1959 eine goldene Schallplatte. Das Foto auf dem Cover wurde an der Burgpforte in Bad Nauheim aufgenommen und ist ein beliebtes Fotomotiv vieler Fans. Seit 2018 wird das Erinnerungsfoto noch authentischer, denn ein lebensgrosses Graffiti des britischen Künstlers Gnasher ziert den Bogen der Burgpforte:

27.11.2021: Mit ihrem 70 Meter hohen Turm ist sie ein Wahrzeichen Bad Nauheims. In Anwesenheit des Grossherzogs Ernst Ludwig von Hessen (1868-1937) wurde sie nach zweijähriger Bauzeit am 21. Juni 1906 feierlich eingeweiht. Ihr Name soll an die besonderen Heilquellen der Stadt als Geschenk Gottes erinnern, nachdem der Grosse Sprudel im Jahr 1846 ausgebrochen war. Die Dankeskirche wurde von Ludwig Hofmann (1862-1933), der viele Kirchen in Oberhessen gestaltet hat, im Stil des Historismus entworfen. Gemeinde­glieder und dankbare Kurgäste spendeten in langen Jahren die Mittel für ihren Bau. Bis in die höchste Spitze aus tiefgrauem, fast schwarzem oberhessischen Lungstein gemauert, bietet das Gotteshaus äusserlich einen in sich geschlossenen, ja trutzigen Anblick. Der Grundriss hat die Form eines lateinischen Kreuzes. Dem nörd­lichen Querarm ist der mächtige Turm mit unten offener Halle vorgelagert. Das Innere ist durch die eingebauten Emporen der evangelischen Saal- oder Predigtkirche angenähert. Die Dankeskirche bietet bis zu 800 Besuchern Platz und wird oft von Künstlern für Konzerte und Ausstellungen genutzt. Eine Besonderheit stellt die Walcker-Orgel mit ihrem Fernwerk dar:

27.11.2021: Der Kirchenbau wurde dreischiffig im neugotischen Stil aus Backsteinen errichtet und hell verputzt. Für die integrierten Sandsteine verwendete man wegen der Salzempfindlichkeit dieses Materials – die Gradierwerke und Salinen waren nahe – den harten Maintalsandstein aus der Miltenberger Gegend. Die Pfarrkirche ist ein asymmetrischer Bau, während das Mittelschiff eine innere Höhe von 13,5 m besitzt, ist das rechte Seitenschiff ca. 11,5 m, das linke nur ca. 6,5 m hoch. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt 36 m, die Breite 24 m. Auf dem Nordwesteck, von der Baufluchtlinie der Westfront etwas zurückgesetzt, steht der 56 m hohe imposante Turm. Ihn krönen ein schmiedeeisernes Kreuz und ein vergoldeter Wetterhahn. Auf dem kleinen Turm über dem Mittelschiff ist eine Wetterfahne mit der stilisierten Figur des Heiligen Bonifatius angebracht. Von Nordosten her fällt der Blick auf die reichhaltige Gestaltung des Daches mit Türmchen und Gauben. Das Hauptportal im Westen der Kirche schmückt ein Giebel mit Wasserspeiern, Fialen und einer Christkönigsfigur. Direkt über dem Eingang befindet sich das Kalksteinrelief mit der Darstellung des Kirchenpatrons, des Heiligen Bonifatius, der die Donar-Eiche bei Geismar fällt. Das Werk stammt von Anton Mormann aus Wiedenbrück:

27.11.2021: Die Salinenanlage in Bad Nauheim war einst die modernste Salzfabrik in Europa und ist heute eine der ältesten in Deutschland. Die fünf noch erhaltenen von insgesamt 23 Gradierbauten in Bad Nauheim sind Bestandteile der dortigen Saline. Dabei handelt es sich um imposante Bauwerke bzw. Holzbalkenkonstruktionen, die mit Reisig aus Schwarzdorn und Fichtenholz verfüllt sind. Mittels Pumpen wird die Sole durch eine Ringleitung und schliesslich über das Reisig geleitet. Durch die feine Verästelung des Schwarzdorns wird das Wasser optimal verdunstet, der Salzgehalt in der Luft wird erhöht. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch Sonneneinstrahlung und trockenen Wind. In der Nähe des Gradierwerkes kann man die salzhaltige Luft inhalieren. Diese befeuchtet die Atemwege und hat eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den gesamten Organismus. Heute sind die Gradierwerke Wahrzeichen der Kurstadt Bad Nauheim. Hier werden verschiedene Kuranwendungen angeboten. Ein Gesundheitsgarten am Gradierwerk II, u. a. mit einem Barfusspfad, einem Kräutergarten und interaktiven Stationen, spricht sämtliche Sinne an. Über die Geschichte der Bad Nauheimer Salzgewinnung informiert der archäologische Keltenpavillion, der sich am Gradierwerk II befindet. Die Salinen spielten bereits zu Zeiten der Kelten eine sehr wichtige Rolle. Zwischen dem 5. und 1. Jahrhundert v. Chr. wurden hier die sogenannten keltischen Salinen zum Zwecke der Salzgewinnung entwickelt. Dabei handelte es sich um eine der grössten späteisenzeitlichen Siedlungen. Um 700 n. Chr. wurde die Salzgewinnung durch fränkische Siedler wieder neu aufgenommen, es entstand ein mittelalterliches Söderdorf. Im 15. Jahrhundert verfügte das Örtchen Nauheim über 13 Soden. Im 16. Jahrhundert wurde der Bau eines Gradierwerkes angeordnet, die Salzgewinnung wurde modernisiert. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Schwarzdorngradierung eingeführt und ersetzte die bis dahin üblichen Strohgeflechte. Es wurden zwei Siedehäuser und drei Gradierwerke errichtet. Nauheim verfügte als eine der ersten mitteleuropäischen Gemeinden über diese Gradiermethode, wodurch die Salzproduktion mit 8500 Zentnern pro Jahr deutlich anstieg. Im 18. Jahrhundert wurde die Bad Nauheimer Saline zu einer der grössten Salinen in Deutschland ausgebaut. Die Wasserkraftanlagen wurden verbessert und es wurden zwei Windmühlen gebaut, deren zwei Türme heute noch erhalten sind.

Gradierwerk V + IV (Lange Wand) mit Windmühlenturm auf der Hub:

Gradierwerk III:

Wasserrad am Ludwigsbrunnen neben dem Gradierwerk III – Neben Windkraft nutzte die Saline unter Waitz von Eschen auch Wasserkraft zur Gradierung der Sole. Von ehemals acht Wasserrädern, die übers gesamte Stadtgebiet verteilt waren, sind heute noch zwei erhalten. Das Wasserrad an der Schwalheimer Straße wurde seinerzeit über ein weiträumiges System von Kunstgräben aus verschiedenen Staubecken gespeist. Die Wasserkraft setzte zwei Exzenter in Bewegung, die wiederum Pumpen aktivierten, von
denen das Salzwasser auf den benachbarten Gradierbau befördert wurde. Heute wird das Rad zu Schauzwecken vom Wasser des Flüsschens Usa angetrieben. Der angrenzende Ludwigsbrunnen war ein wichtiger Bestandteil der Trinkkur in Bad Nauheim. Noch heute versorgt er Durstige mit mineralhaltigem Heilwasser:

Gradierwerk II:

Gradierwerk I:

27.11.2021: Der Windmühlenturm an den Gradierbauten der Langen Wand in Bad Nauheim gehört zu den markantesten Wahrzeichen der Stadt. Er wurde zwischen 1742 und 1745 aus dem Taunusquarzit der Steinbrüche am Johannisberg erbaut und hatte ursprünglich eine Höhe von 20,60 Metern. Die drehbare Dachkuppel war mit Holzschindeln gedeckt, und die Windmühlenflügel hatten eine Bespannung aus Segeltuch. In Nauheim war damals unter der Leitung des Kammerrats Jacob Sigismund Waitz von Eschen eine der grössten Salinen Europas entstanden. Um die Sole auf die bis zu 3700 Meter langen Gradierbauten zu pumpen, standen zehn Triebwerke zur Verfügung: sieben Wasserräder, ein Tretrad für Pferde, die sogenannte Rosskunst, sowie zwei mächtige Windmühlentürme. Nahezu 80 Jahre lang, von 1745 bis 1824, drehten sich die Windmühlenflügel an den Türmen und übertrugen ihre Energie auf die Solepumpen. Mit einer Spannweite von 22 Metern trotzten sie Wind und Wetter. Im Herbst 1824 hielten sie der Wucht eines Orkans nicht mehr stand. Die Flügel an beiden Türmen zerbarsten, die Turmkappen wurden abgedeckt. Wegen zu hoher Kosten lehnte der damalige Salineninspektor Wilhelmi eine Reparatur ab. 1826 wurden die Flügel abmontiert und die anfallenden Materialien zum Bau des neuen Schwalheimer Kunstgestänges verwendet. Die Kuppel des Windmühlenturmes an der Langen Wand ersetzte man durch einen 6,30 Meter hohen Fachwerkbau mit Schieferdach. Heute hat der Turm eine Höhe von 26,60 Metern. Der Waitzsche Turm hinter dem Thermalbad erhielt ein Kupferdach. Der Erbauer der Türme, Jacob Sigismund Waitz von Eschen, war vor seinem Tod Minister unter Friedrich dem Grossen. Er starb 1776 in Berlin. Aufgrund der historischen Bedeutung der Salinenanlagen, die in wesentlichen Teilen bis heute erhalten sind, ist deren plausible Präsentation für Bad Nauheim und weit darüber hinaus als Zeugnisse wichtiger technischer Entwicklungen des 18. Jahrhunderts eine bedeutende Zukunftsaufgabe. Die Gradierwerke mit den technischen Anlagen sind neben dem Sprudelhof als geschichtliche Höhepunkte der Bad Nauheimer Stadtentwicklung anzusehen. Diese besondere Bedeutung der historischen technischen Anlagen legitimiert deren funktionsfähige Wiederherstellung als Quellen und Zeugnisse menschlicher Geschichte und Entwicklung bei der Bewältigung komplexer technischer Aufgaben bei der Salzgewinnung im 18. und 19. Jahrhundert:

27.11.2021: Die 1911 in Betrieb genommene neue Saline ist Teil eines wertvollen Ensembles technischer Bauten östlich des Bad Nauheimer Bahnhofs und der Gleisanlagen. Die Entwürfe zur Saline wie zu den benachbarten Gebäuden der Dampfwaschanstalt und der Maschinenzentrale stammen zumindest in ihren Grundzügen allesamt von dem Architekten des Nauheimer Sprudelhofes, Wilhelm Jost. Die Saline von 1911 ersetzte die Vielzahl älterer Siedehäuser entlang der Usa, die bereits im 19. Jahrhundert durch den zunehmenden Badebetrieb in ihrer Ausdehnung eingeschränkt wurden. Der Neubau von Anfang des 20. Jahrhunderts schloss diese Entwicklung ab, künftig waren alle Arbeitsvorgänge der Salzgewinnung unter einem Dach vereinigt. Rückgrat der Anlage ist eine lange Speicherhalle in Nord-Süd-Richtung. 1959 wurde der inzwischen unrentabel gewordene Salinenbetrieb eingestellt. Die Bauten nutzte man zu reinen Lagerstätten. Sie bleiben ein herausragendes Beispiel von Zweckarchitektur aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, die durch Materialwahl und Gebäudeform an bekannte Bautradtionen anschloss:

27.11.2021: Der Bahnhof Bad Nauheim liegt am Streckenkilometer 161,9 der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt am Main und Giessen. Da der erste 1864 gebaute Bahnhof längst für die ständig wachsende Zahl ankommender und abreisender Kurgäste zu klein geworden war, bekam Bad Nauheim 1912 durch einen radikalen Umbau ein grösseres und schöneres Empfangsgebäude. Nötig war dies auch, weil man durch die wieder hergestellte grosse Achse vom Sprudelhof aus die Fassade des Bahnhofs als „point de vue“ sah. Deshalb zog man, obwohl sonst die Reichsbahnverwaltung alle Bahnhöfe plante, für den Entwurf auch das Friedberger Kreisbauamt hinzu, da man sicherstellen wollte, dass die Gestaltung den baukünstlerischen Ansprüchen der Stadt entsprechen würde. Um einen auch aus der Ferne einprägsamen und repräsentativen Bau zu erstellen, ordneten die Planer ähnlich wie bei barocken Landschlössern beidseits eines Haupttrakts zwei Seitenflügeln an. Einen Rundgiebel mit Uhr über dem Eingang zur dahinterliegenden Halle betont den Mittelrisalit ebenso wie ein Belvedere oben auf dem Dachfirst. Auch für die architektonische Gliederung und den Bauschmuck griff man auf einfache modernisierte Barockformen zurück. Nur in Details und den Ornamenten ist das Formgefühl des Jugendstils spürbar, besonders im Relief der Mädchengestalt der Hygieia, die Göttin der Gesundheit am Mittelpfeiler des Bahnhofportals:

27.11.2021: Im grössten geschlossenen Jugendstilensemble Europas ist der Bezug zum Wasser als Gesundheit spendende Kraft allgegenwärtig. Die ehemalige Kuranlage ist ein Gesamtkunstwerk und zeigt eindrucksvoll die Verbindung von Architektur, freier und angewandter Kunst sowie Garten- und Platzgestaltung. Beim Betreten des Sprudelhofs ist der Besucher fasziniert. Von den oberen Stufen der großen Freitreppe zwischen zwei Torhäusern öffnet sich der Blick auf Bad Nauheims Wahrzeichen. Leuchtend weisse Wände mit in Muschelkalkstein gehauenen Ornamenten laden zu einem Streifzug durch die Badeanlage der Jahrhundertwende ein. Über den Gebäuden ragen grosse Uhrentürme empor. Im Zentrum befindet sich eine monumentale Beckenfassung mit sprudelnden Fontänen, die von klar gestalteten Arkaden umschlossen ist. Im Sprudelhof spürt der Besucher sogleich die Geschichte Bad Nauheims als Weltbad. Die Kuranlage wurde zwischen 1905 und 1911 im Jugendstil erbaut. Sie beinhaltete sechs Badehäuser mit Wartesälen und insgesamt 265 Badezellen, zwei Verwaltungsgebäude, die eine zum Kurpark offene, hofähnliche Anlage bilden und in deren Zentrum sich noch heute zwei charakteristische Sprudel befinden. Das Besondere am Bad Nauheimer Jugendstil ist, dass alles noch im Original erhalten ist – Wartesäle, Innenhöfe und die Wannen im Badehaus 3 versetzen Besucher in die Zeit um 1900. Auch bei Besichtigung der Innenräume findet sich der in Bad Nauheim besondere Jugendstil wieder, bei dem stets der Bezug zum Wasser als Gesundheit spendende Kraft zu sehen ist. So offenbaren die Badehäuser und Schmuckhöfe ein Kleinod nach dem anderen: Masken aus Keramik, Brunnen aus honigfarbenen Terrakotta, Kohlensäurebläschen, Nixen, Wellenornamente und Seepferdchen. Bedeutende Vertreter der Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe, die sich dem Jugendstil verschrieben haben, übernahmen Anfang des 20. Jahrhunderts den Neubau der Bad Nauheimer Badeanlagen. Der Architekt Wilhelm Jost verlieh dem Sprudelhof seine Gestalt. Viele namhafte Künstler wirkten bei der künstlerischen Ausgestaltung mit – darunter Jakob Julius Scharvogel, Wilhelm Kleukens, Albin Müller und Heinrich Jobst. Dabei schufen sie ein Gesamtkunstwerk, das heute das grösste geschlossene Jugendstilensemble Europas darstellt.

Das ehemalige Balneologische Institut ist heute das Domizil der Musikschule Bad Nauheim:

Die verschiedenen Badehäuser, Informationstafeln und der grosse Sprudel im Sprudelhof:

Torhaus am Südeingang zum Sprudelhof:

Gebäudeensemble am östlichen Eingang: